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Erwachsen sein und Kind bleiben?

Erwachsen sein und Kind bleiben?

Erwachsen sein und Kind bleiben, weshalb sollten wir das denn wollen? Als Erwachsene stehen wir immerhin mitten im Leben, wir übernehmen Verantwortung, wir gehen unseren Pflichten nach, wir sind wer und das haben wir uns in der Regel hart erarbeitet. Wir sind seriös, zuverlässig und wir nehmen das Leben – inklusive uns selbst – äusserst ernst. Das Leben ist ja schliesslich kein Ponyhof, wie jeder (Erwachsene) weiss.

Sehen wir uns diesen disziplinierten und ernsthaften «Erwachsenen» einmal etwas genauer an:

Der Erwachsene – eine Überspitzung

Erwachsen zu sein bedeutet in erster Linie, keine Fehler mehr machen zu dürfen. Als richtiger Erwachsener hat man das Leben im Griff, man ist schliesslich ein Gewinner. Der Erwachsene ist rational, er hat seine Zukunft minutiös geplant, seine Entscheidungen sind gut durchdacht und die Handlungen nur auf den Kopf und den Verstand basierend. Gefühle lässt der Erwachsene wann immer möglich aussen vor. Gut, manchmal läuft doch etwas schief – ein Fehler ist aufgetreten – und dann wird der Erwachsene von arger Scham gepeinigt oder gar von lästigen Schuldgefühlen geplagt. Wie gut, dass er in solchen Fällen auf sein logisches Denkvermögen zurückgreifen kann. So findet er bestimmt eine auf Fakten basierende und plausible Erklärung, weshalb jemand anderes schuld ist.

Sie sehen, ein Ponyhof ist da für den Erwachsenen tatsächlich weit und breit nicht in Sicht. Betrachten wir im Vergleich dazu «das Kind»:

Das Kind – eine Überzeichnung

Das Kind ist genau das Gegenteil vom Erwachsenen. Es lebt in der Gegenwart, im jetzigen Moment. Vergangenheit und Zukunft sind ihm fremd. Das Kind ist himmelschreiend lustgesteuert und unbefangen, unverschämt spontan, penetrant naseweis und bodenlos neugierig, haarsträubend kreativ und verspielt, verstörend ehrlich und erfrischend direkt. Das Kind lebt seine Gefühle hemmungslos in der ganzen Bandbreite und unabhängig von Ort und Zeit einfach aus. Ob Lachen (20mal so oft wie ein Erwachsener!) oder Weinen – Hauptsache sagenhaft laut. Zudem ist es schon fast eine Frechheit, wie rasch sich das Kind technische Fertigkeiten aneignet und sich spielend auf dem Tablet zurechtfindet.

Oh ja, das Kind glaubt sich eindeutig auf dem Ponyhof!

Erwachsen sein und Kind bleiben! Ein gut geführter, rentabler Ponyhof…

Auf je einen Begriff reduziert geht es beim Erwachsenen um Vernunft und beim Kind um Emotionen. Man könnte auch sagen, dass der Erwachsene ein Kopfmensch ist und das Kind ein Bauchmensch. Ja, ich weiss, das ist jetzt doch etwas zu viel des Klischees. Gut, dann lassen Sie uns einfach die beiden Stereotypen verbinden und stellen wir uns ein Leben «sowohl als auch» vor. Ein gut geführter und rentabler Ponyhof sozusagen.

Auch als Erwachsener dürfen wir uns ruhig öfters mal spontan auf etwas einlassen, unserer Intuition folgen, aus dem Bauch heraus entscheiden und auf sämtliche Analysen über allfällige Vor- und Nachteile verzichten. Was uns das bringt? Den kostbaren Genuss eines intensiv gelebten Augenblicks, die kindliche Freude an der eigenen Impulsivität. Ein beglückender Ritt auf dem Pony gewissermassen.

Und ja, wir dürfen uns Fehler erlauben und unser Scheitern sogar entschieden freudig zelebrieren, um dann neugierig und interessiert dazuzulernen. Wir befreien uns damit von Erwartungsängsten und gönnen uns quasi den Duft nach Pferd und Stall beziehungsweise eine erfrischende und gesunde Nonchalance im Umgang mit Lernprozessen.

Gestatten wir uns, öfters zu lachen, offen und frei heraus. Damit bauen wir Spannungen im Körper ab und wir schaffen einen Gedankenfreiraum. Wir geben uns zu erkennen als heitere, souveräne und lebensfrohe Menschen, die andere gerne zu einem vergnüglichen und erlebnisreichen Ausflug auf den Ponyhof einladen.

Sie ahnen es: Wir können verantwortungsvolle Erwachsene sein und trotzdem Kind bleiben. Dann erst sind wir – so Erich Kästner – ein Mensch.

Gabriela Imhof, Humorberaterin HCDA

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